Die Kolorierung von „Käpt’n Blaubär“

Die farbige Neuauflage von "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär"2013 erschien Walter Moers‘ „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ komplett neu und in Farbe. Für die Kolorierung des ersten Zamonien-Romans war der Illustrator Florian Biege aus Münster verantwortlich. Ich habe mit Florian über die Entstehungsgeschichte des Projektes, die unterschiedlichen Illustrationstypen und die Zeit nach dem Projekt gesprochen.

Der erste Teil des Interviews beschäftigt sich mit der Comic-Adaption von „Die Stadt der Träumenden Bücher“.

Wie die Idee zur farbigen Ausgabe von „Käpt’n Blaubär“ entstand

Wir haben im ersten Teil des Interviews ja bereits über die Entstehungsgeschichte der Buchhaim-Graphic Novel gesprochen. Wie kam es zur Kolorierung der „13 1/2 Leben“?

So weit ich weiß, war eine Kolorierung von „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ schon länger im Gespräch. Die alte Hardcover-Ausgabe war vergriffen, aber statt eine unveränderte Schwarzweiß-Neuauflage herauszugeben, hatte Walter Moers die Idee den Roman durch eine Farbausgabe noch einmal etwas aufzuwerten. Anfang 2013 fragte er schließlich, ob ich die Kolorierung von Käpt’n Blaubär übernehmen könnte.

Zu diesem Zeitpunkt habt ihr ja bereits an der Graphic Novel-Adaption zusammengearbeitet. Stellte das kein Zeitproblem dar?

Nicht wirklich. Die beiden Projekte sind doch sehr unterschiedlich. Gegenüber der arbeits- und zeitintensiven Comic-Adaption von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ war die Kolorierung von Käpt’n Blaubär sehr kompakt. Ich konnte anhand des Romans ja genau sehen, wie viele Illustrationen ich farbig gestalten musste. Sicherlich hat auch geholfen, dass die Kolorierungen sehr viel einfacher zu bewerkstelligen waren, als die Illustrationen im malerischen Stil des Comics.

Die Feinschmeckerinsel - Käpt'n Blaubär

Die Feinschmeckerinsel in Farbe und in Schwarzweiß (c) SW, BT

Außerdem hat mich natürlich die Vielfalt an dem Roman gereizt.

Was meinst Du genau mit Vielfalt?

Nun, die Geschichte von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ konzentriert sich auf einige wenige Schauplätze: Fast der gesamte Roman spielt in Buchhaim und ein Großteil dessen sogar unter der Erde, in den Katakomben der Stadt. Dagegen gibt es in Käpt’n Blaubär eine Fülle von Locations, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Diese Vielfalt ist gerade interessant, wenn man über eine farbliche Neugestaltung nachdenkt. Es war sehr spannend das Zamonien außerhalb von Buchhaim auf diese Weise kennenzulernen.

Der Kolorierungsprozess

Wie hast Du konkret mit der Kolorierung begonnen?

Vom Freisteller zum Farbkasten: Käpt'n Blaubär bei den Zwergpiraten

Vom Freisteller zum Farbkasten: Käpt’n Blaubär bei den Zwergpiraten (c) SW, BT

Zunächst habe ich ähnlich wie bei „Die Stadt der Träumenden Bücher“ einige Tests gemacht, um zu sehen welche Technik funktioniert und welche nicht. Dabei spielt natürlich auch die Effizienz eine Rolle, denn je länger ich für das Kolorieren einer Illustration brauche, desto geringer fällt mein Stundenlohn aus. Diese Balance zwischen Qualität und Zeiteinsatz muss ich als Illustrator aber immer wieder für mich finden, da ist Zamonien keine Ausnahme.

Kannst Du Beispiele für die grafischen Tests nennen?

Durchaus. Anfangs hatte ich zum Beispiel überlegt, die Freisteller im Buch immer mit einem farbigen Hintergrundkasten zu versehen. Auf das ganze Buch übertragen wirkte das jedoch sehr kastig. Also haben wir uns dazu entschieden die verschiedenen Illustrationsarten – kolorierte Freisteller, Illustrationen mit Hintergrundkasten, ganzseitige Bilder, etc. – möglichst oft abzuwechseln – je nachdem was am besten zur Illustration passt.

Und was ist mit den Illustrationen, die ursprünglich nur wenig Platz eingenommen haben, in der Neuauflage aber die ganze Seite überfluten? Ich denke zum Beispiel an das Dimensionskapitel. Wie ist das entstanden?

Diesen Seitentypus haben wir erst relativ spät entwickelt. Als ein Großteil der Illustrationen fertig war und das bunte Buch als PDF vorlag, wurden immer wieder neue Ideen von allen Beteiligten in die Runde geworfen. Ich glaube Walter hatte die Idee bestimmte Abschnitte einzufärben. Die Farbwahl und Umsetzung lag dann an Oliver Schmitt, der schon die Schwarzweiß-Auflage gestaltet hatte, und mir. Ein weiteres Beispiel ist das Stollenlabyrinth im Finstergebirge.

In der Schwarzweißausgabe nahm das Stollenlabyrinth deutlich weniger Platz ein.

Einige Illustrationen nehmen in der Neuauflage deutlich mehr Raum ein. Hier: Das Stollenlabyrinth im Finstergebirge. (c) SW, BT

Gibt es weitere Dinge, die Walter Moers zur Neuauflage beigesteuert hat?

Durchaus. Der Text ist zwar kaum verändert worden. Auch die Schwarzweiß-Illustrationen, die mir als Vorlage dienten, blieben gleich. Neu sind hingegen die Umschlagsgestaltung und die detailreiche Karte von Zamonien im Einband. Die Karte hat Walter komplett neu gezeichnet; ich habe sie dann eingefärbt. Dazu kommen noch einige kleinere Buchelemente, wie die Kringel rund um die Seitenzahlen und die mit floralen Mustern versehenen Deckblätter zu Beginn der Kapitel.

Das Color Script von Käpt'n Blaubär

Das Color Script von Käpt’n Blaubär (c) FB

Beim Durchblättern der Neuauflage fällt auf, dass jedes Kapitel ein anderes Farbspektrum besitzt.

Ja. Das ist ein Aspekt, über den ich mir in der Planungsphase viele Gedanken gemacht habe. Wie für „Die Stadt der Träumenden Bücher“ habe ich bei „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ ein sogenanntes Color Script erstellt. Ein Color Script oder auch Mood Board besteht aus wenigen abstrakten Bildern, die einem als Illustrator helfen können den farblichen Charakter der einzelnen Kapitel herauszuschälen und sie voneinander abzugrenzen. Das ist eine Technik, die gerade im Film sehr häufig benutzt wird aber eben auch bei farbigen Büchern funktioniert. Beispielsweise dominieren im Kapitel über die Feinschmeckerinsel grüne, bunte Farbtöne, die jedoch schon etwas faul wirken – der Große Wald ist dagegen etwas kälter und ungesättigt gehalten. Die Arbeit mit Color Scripts ist etwas, dass mir persönlich sehr viel Spaß macht. Wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich das Buch „The Art of Pixar“ empfehlen.

Hattet ihr keine Bedenken, dass die Kolorierung die Lesart des Romans verändern könnte? Die Illustration der Moloch zum Beispiel wirkt meiner Meinung nach durch das intensive Rot sehr viel bedrohlicher.

Das ist natürlich nicht zu vermeiden. Ich habe versucht, die Atmosphäre entsprechend des Inhaltes zu betonen und nicht zu verfälschen. Bei der Moloch ist das dunkelrot inhaltlich begründet: Im Text heißt es, die Moloch würde von hunderten von Öfen betrieben. Da war es naheliegend, das Rot der Ofenfeuer auch nach außen hin strahlen zu lassen.

Über weitere Farbausgaben und eigene Projekte

„Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ ist Ende 2013 erschienen. Sind weitere Kolorierungen von Zamonien-Romanen geplant?

Aktuell ist mir das nicht bekannt. Ich denke es hängt auch davon ab, wie gut die Blaubär-Neuauflage ankommt. Ich hätte durchaus Lust noch weitere Zamonien-Romane zu kolorieren. Ganz leicht dürfte das aber nicht werden.

Was meinst Du damit?

Naja die Illustrationen von „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ sind schon ideal für eine spätere Kolorierung: Viele der Figuren werden im Wesentlichen durch ihre Konturen definiert und haben nur wenige Schraffuren. Das ändert sich jedoch in den folgenden Romanen, da Walter Moers‘ Zeichenstil immer komplexer wird. Der extrem dichte Strich führt dazu, dass einige Freisteller aus „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ fast schon Silhouettenartigen-Charakter haben. Die Schwarzmanngasse zum Beispiel ist schon extrem dunkel. Das Schwierige beim Kolorieren solch dichter Zeichnungen ist, dass egal wie behutsam der Farbauftrag vorgenommen wird – die Bilder werden auf jeden Fall noch dunkler! Dadurch steigen auch die Anforderungen an den Druck nicht unwesentlich. Auch ist es dann schwieriger, die kolorierten Bereiche gut mit gemalten Hintergrundflächen zu vereinen.

Aber auch das müsste man einfach ausprobieren, wenn es dazu kommt. Die neue, detailliertere Zamonien-Karte von Walter war zum Beispiel auch nicht farbig geplant. Ich habe dann einfach eine Ecke der Karte probeweise koloriert – und es hat geklappt.

Walter Moers' Zeichenstil wird deutlich dunkler und komplexer. Zum Vergleich: Freisteller in "13 1/2 Leben" (links) und "Labyrinth der Träumenden Bücher" (rechts) (c) SW, TB

Walter Moers‘ Zeichenstil wird immer komplexer. Zum Vergleich: links ein Freisteller aus „13 1/2 Leben“, rechts einer aus „Labyrinth der Träumenden Bücher“ (rechts) (c) SW, TB

Und wie sieht es mit eigenen Projekten aus? Hast Du schon Pläne für die Zeit nach Zamonien?

Ideen habe ich schon, aber darunter ist noch keine, von der ich schon jetzt berichten könnte. Es kann durchaus sein, dass ich wieder ein Comicprojekt wie „Der Hexer“ angehe. Auf jeden Fall hätte ich Lust wieder einen neuen Zeichenstil auszuprobieren, immerhin arbeite ich nun schon seit 2011 in der fantastischen, manchmal skurrilen Welt von Zamonien. Ich würde in Zukunft gerne wieder etwas Grafischeres, vielleicht auch Düsteres zeichnen. Mich fasziniert zum Beispiel Mike Mignola, der mit extrem reduzierten Mitteln wirklich eindrucksvolle Comics zeichnen kann.

Dann wünsche ich Dir für die Zukunft viel Erfolg! Vielen Dank, dass Du uns einen Einblick in die Entstehung der beiden Bücher gewährt hast.

Weiterführende Links

Bildnachweis: Florian Biege (FB). Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär, Taschenbuchausgabe, Goldmann-Verlag 2002, S. 28, 92, 177, 183 (SW). Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär, kolorierte Hardcover-Neuauflage, Knaus-Verlag 2013, S. 24, 90, 174-175, (BT). Das Labyrinth der Träumenden Bücher, Knaus-Verlag 2011, S. 191 (TB).

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